bigdataVor mehr als dreißig Jahren begründete das Volkszählungsurteil mit der Etablierung des Grundrechtes auf informelle Selbstbestimmung in Deutschland einen Meilenstein des Datenschutzes.

Damals vermutete man vor allen bei staatlichen Institutionen den Willen und die Technologien, umfassende Datensammlungen auszuwerten. Es war die Zeit der Großrechner, der PC tauchte erst am Horizont auf. Die Datenschutzgesetze des Bundes und der Länder lassen noch heute die damalige IT-Landschaft erahnen, Kontroll- und Sanktionsmöglichkeiten beziehen sich überwiegend auf Behörden und Telekommunikationsunternehmen.

Gesetzliche Vorgaben für den Datenschutz gelten zwar auch in der privaten Wirtschaft, aber deren Einhaltung wird kaum kontrolliert. Verstöße bleiben für die Unternehmen fast immer folgenlos, betroffene Bürger erleiden jedoch teils erhebliche Nachteile und wirtschaftliche Schäden.

Big Data ermöglicht es beliebigen Firmen, vom großem Konzern bis zum Startup, Benutzerprofile in bisher kaum vorstellbaren Umfang zu speichern und auszuwerten. Nicht ohne Grund bezeichnen manche Versicherungen Daten als das neue „Gold der Branche“. Als Kunden sollten wir uns gut überlegen, wem wir dieses Gold anvertrauen. Aber in vielen kommerziellen Bereichen haben wir heute keine echte Wahl. Internationale Konzerne ignorieren in ihren Geschäftsbedingungen häufig nationales Recht, ohne dafür belangt zu werden.

Lesen Sie mehr zum Thema in meinem Artikel Autonome Akteure.

Der technische Fortschritt hat Big Data ermöglicht. Nun müssen Gesellschaft und Politik Schritt halten und sich der neu entstandenen Probleme annehmen. Es gilt Gesetze weiterzuentwickeln, wirksame Sanktionen gegen Verstöße zu etablieren und dem Bürger durchsetzbare Rechte an die Hand zu geben. Ein Recht auf informelle Selbstbestimmung, welches nur mit langem Atem und hohen Prozesskosten durchgesetzt werden kann, widerspricht dem Gedanken eines Grundrechts für alle Bürger.